Rolf Kühn

„Es ging mir darum, für meine neue Platte möglichst ungewöhnliche Kombinationen zu finden“, erzählt Rolf Kühn vergnügt nach dem letzten Aufnahmetag im Studio.

SPOTLIGHTS heißt nun sein brandneues Album, das am 30. September 2016 pünktlich zu seinem 87. Geburtstag bei MPS erschien – und es ist eine weitere aufregende Wegmarke auf seiner musikalischen Reise! Das Album enthält neun Eigenkompositionen Kühns, dazu zwei Jazzstandards aus den 40er Jahren („Autumn Leaves“ und David Raksins „Laura“ aus dem gleichnamigen Film), „Dexter’s Tune“ von Randy Newman und „Choro do Portina“ aus der Feder von Hamilton de Holanda. Der rote Faden, der sich durch das Album zieht, ist natürlich Rolf Kühns unverwechselbarer Klarinettenton. Hamilton de Holanda, die brasilianische Koryphäe des Bandolims, einer Variante der Mandoline, taucht Kühns Klarinette in südländisch anmutende Melancholie. Albrecht Mayer, internationaler Klassikstar und Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker, fasziniert mit seinem hochsensiblen Spiel und seinem großen Facettenreichtum. Asja Valčić, die herausragende kroatische Cellistin, beeindruckt durch klassische Virtuosität ebenso wie durch den Mut zur Improvisation, wenn sie mit Kühn fieberhaft durch die Noten rast. Christian Lillinger, der außergewöhnliche Schlagzeuger der Rolf Kühn UNIT, bringt seinen wilden Groove mit ins Spiel und setzt – genau wie der Berliner Bassist Oliver Potratz – spannungsreiche dynamische Akzente. Ed Motta, schwergewichtiger brasilianischer Sänger und Megastar in seiner Heimat, lässt den Bariton klingen wie einen Synthesizer mit Spannungsschwankungen, haucht und scattet hallende Wortfetzen in Kühns Kompositionen. Und als wäre das nicht längst genug, wirft auch Rolfs berühmter jüngerer Bruder, der Pianist Joachim Kühn, sein unverkennbares Spiel, seine rhythmische Seele mit in die Waagschale.

„Meinen kleinen großen Bruder Joachim kenne ich seit über 70 Jahren, mit Albrecht bin ich schon lange Zeit befreundet, Asja, Ed und Hamilton habe ich erst im vergangenen Jahr persönlich kennengelernt – und so unterschiedlich wir auch alle sein mögen, es gibt für mich einfach nichts Schöneres, als mit alten und neuen Soulmates gemeinsam Musik zu machen“, schwärmt der Jazzklarinettist.

Mit 17 Jahren gilt Rolf Kühn als das Leipziger Wunderkind der Klarinette. In dieser Zeit hört er zum ersten Mal die Musik, die sein weiteres Leben bestimmten sollte: Jazz! Getrieben von Neugier und Abenteuerlust packt Rolf Kühn mit 26 Jahren seinen Koffer, nimmt die Klarinette und stürzt sich kopfüber in das Haifischbecken des Jazz: New York. Er hört Charlie Parker, Dizzy Gillespie, John Coltrane in den Clubs. Und greift schnell selbst nach den Sternen. Der junge Mann aus Deutschland spielt mit Legenden wie Chet Baker, Cannonball Adderley, Ben Webster, Coleman Hawkins, Billie Holiday und wird in die Band von Benny Goodman engagiert.

Heute, satte 60 Jahre später, gilt Rolf Kühn als eine Ikone des europäischen Jazz. Ein musikalischer Grenzgänger, der Generationen junger Künstler geprägt hat. Der zu einem der wenigen stilprägenden Solisten auf seinem Instrument geworden ist und dessen Aufnahmen weltweit Gehör gefunden haben. Ein Jazzmusiker von Weltformat, für den auch nach dem Ehrenpreis der deutschen Schallplattenkritik (2009), dem ECHO für sein Lebenswerk (2011), dem Jazz-ECHO für sein MPS-Album „Rolf Kühn UNIT: Stereo“ als Instrumentalist des Jahres (2016), nur eines zu gelten scheint: Der Blick nach vorn!

LIVE spielt Rolf Kühn in diversen Formationen und steht neben SPOTLIGHTS auch für Duo- bzw. Trio-Shows (bspw. mit seinem Bruder Joachim Kühn, dem brasilianischen Percussionisten Amoy Ribas oder aber der aus Kroatien stammenden Cellistin Asja Valčić) oder aber mit der Rolf Kühn UNIT zur Verfügung: Hier trifft der Klarinettist mit exzellenten jungen Musikern der Berliner Szene zusammen (Johannes Fink am Kontrabass, Ronny Graupe an der E-Gitarre und Christian Lillinger am Schlagzeug). Das musikalische Resultat ist gegenwärtig, im wahrsten Sinne des Wortes – die Jüngeren profitieren vom Erfahrungsschatz des Altmeisters, der sich seinerseits von den frischen Ideen seiner Bandmitglieder inspirieren lässt und sich somit eindrücklich zum generationenübergreifenden Jazz bekennt. Die Musiker befinden sich kompromisslos im Moment des Spiels, ihre Musik wandelt sich von swingenden Klängen zu modernen Großstadtsounds, von klanglicher Wärme zu energetischen Ausbrüchen – alles dies im ständigen Dialog der Musiker miteinander.

Links:
Rolf Kühn – Offizielle Website

back