Robin McKelle

Robin McKelles grandiose Stimme hat die Wirkung eines Energie-Tonikums. Die New Yorkerin rockt, dass es einem um die Ohren saust. Sie singt gleichsam souverän samtweiche Soulnummern und straighten Jazz. Vergleiche mit Sarah Vaughn, Ella Fitzgerald oder der jungen Aretha Franklin kommen da nicht von ungefähr.

Die 1976 in Rochester, New York als Robin McElhatten geborene Sängerin studierte klassisches Piano und spielte zehn Jahre lang Flügelhorn, bevor sie als Background-Sängerin auf Tour ging und schließlich 2004 in Washingon D.C. die „Thelonius Monk Vocal Jazz Competition“ gewann. Die Türen öffneten sich und McKelle musizierte in der Folgezeit mit George Duke, Wayne Shorter, Herbie Hancock, Carly Simon, David Bowie, Don Grusin und Michael McDonald, um nur einige zu nennen.

Jetzt präsentiert sie ihr gerade erschienenes Album „Melodic Canvas“ (Doxie Records). Zwölf Jahre nach ihrem vielbeachteten Debüt „Introducing Robin McKelle“ zeigt sie sich stimmlich ausgereift. Dem Jazz, Blues und Gospel deutlicher zugewandt als bei ihren bisherigen Alben, manifestiert sich auf „Melodic Canvas“ auch McKelles gewachsenes Gespür für leidenschaftliche Dialoge. Im Spannungsfeld zwischen den meist unverstärkten Instrumenten und McKelles Stimme entsteht eine ungemein elektrisierende, bisweilen erotische Dynamik.

Mut ist der Schlüssel zu diesem bislang persönlichsten Werk McKelles. Mut zur alleinigen Regieführung ihrer Musik. Erstmals in ihrer knapp anderthalb Jahrzehnte andauernden Karriere zeichnet sie für sämtliche Arrangements und Produktionsfinessen verantwortlich. „Produktionsmethoden haben mich immer interessiert, aber diesmal hatte ich eine genaue Vorstellung von der Geschichte, die ich erzählen wollte, bevor ich ins Studio ging. Daraus resultierte mein Wunsch, mich intensiver in alle Aspekte der Entstehung dieser Platte einzubringen. Deshalb fand ich auch, dass sich meine eigenen Songs, neben drei ausgewählten Cover-Versionen, am besten für die Story-Line des Albums eigneten“, erzählt McKelle in Paris. Sie pendele oft zwischen der Seine-Metropole und ihrem Haus in Upstate New York, erzählt sie weiter. Schon der vielen, über die Jahre entstandenen Freundschaften wegen. Und auch,weil die Franzosen sie von Beginn an mit offenen Armen empfangen hatten. Vermutlich ist ihre Erfolgsbilanz bei unseren europäischen Nachbarn damit zu erklären, dass ihr Gesang ohne Umwege und stimmliche Schnörkel den Zuhörer erreicht. Ohne chichi, sozusagen. „Il est Mort le Soleil“, ihre französischsprachige Version des Song-Klassikers „The Sun Died“, die auf „Melodic Canvas“ als Bonus-Track enthalten ist, bietet entsprechend viel mehr als schmückendes Beiwerk. Von reduziertem, aber effektiven Kontrabass-, Conga- und Piano-Fundament getragen, gewinnt McKelles Stimme auch im sorgsam arrangierten Chor-Gesang an einnehmender Präsenz, ohne je aufdringlich zu klingen.

„Die Farben mit denen ich dieses Album, meine Leinwand, buntgestaltet habe, sind warm, gedeckt, einladend”, findet McKelle. „Viele satte Grüntöne, sandiges, erdiges Beige und tiefes Blau. Wichtig ist mir, dass sie einen Dialog mit dem Betrachter, respektive dem Zuhörer, unterstützen können.“

„Schmelz und Verführung, Honig und Rauch – alles ist in Robin McKelles Stimmbändern, die sie raffiniert und virtuos einsetzt, ein Tanz auf gläsernem Parkett.“
– Musenblaetter.de

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