Jasmin Tabatabai & David Klein Quartett

“Da steht sie nun, die Augen geschlossen, das Mikrofon fest in der Hand, die schwarzen Haare streicht sie sich aus dem Gesicht, die Stöckelschuhe hat sie längst abgestreift. Jasmin Tabatabai singt die ersten Zeilen von „Youkali“, jenes traurige Lied über ein utopisches Land, in dem alle geachtet, geliebt und frei sein könnten, das Kurt Weill 1934 im französischen Exil verfasste. Sie singt es mit Leidenschaft, voller Tiefgang, voller Jazz. Sie scheint gleichzeitig Hildegard Knef, Marlene Dietrich und Georgette Dee zu sein und ist doch nur eine: die womöglich beste Jasmin Tabatabai, die man bisher gehört und gesehen hat. Es ist einer von vielen wunderbaren Momenten in einem wunderbaren Nachsommer-Konzert, das die deutsch-iranische Sängerin Jasmin Tabatabai und das David Klein Quartett vor ausverkauftem Haus in der SKF-Halle 411 bieten. Die mit Olaf Polziehn (Piano), Davide Petrocca (Bass), Peter Gall (Drums) und natürlich David Klein am Saxofon hervorragend besetzte Band darf sich austoben, lässt Tabatabai aber immer genug Raum, die große Bandbreite ihrer Stimme zu zeigen, charmant durch den Abend zu führen und das Publikum schlicht und einfach zu verzaubern. Jazzabende sind immer anders. So auch in Schweinfurt, wo vor allem am Schluss Band und Sängerin mit „Tamerlan“ über sich hinauswachsen. Der letzte Song weist in die Zukunft und in die Vergangenheit. In die Zukunft, weil man hofft, dass sie noch viele Jahre zusammenarbeiten und sich noch viel mehr in die unendlichen Tiefen des Jazz vorwagen.”
– MAINPOST

Selten zeigten sich Hörer, Presse und Fachleute so einig: Das 2011 erschienene Liederalbum „Eine Frau“, auf dem sich die Schauspielerin, Sängerin und Autorin Jasmin Tabatabai zum ersten Mal in einem von dem Schweizer Saxofonisten, Komponisten und Arrangeur David Klein maßgeschneiderten Jazzgewand präsentierte, war eine Offenbarung. Die „Süddeutsche Zeitung“ nannte Tabatabai in einem Atemzug mit Marlene Dietrich und Hildegard Knef, beim „Echo Jazz“ wurde die Jazz-Newcomerin2012 als „beste nationale Sängerin“ ausgezeichnet.

Fünf Jahre und an die hundert Konzerte später ist aus der prickelnden Affäre zwischen Jasmin Tabatabai und dem Jazz eindeutig mehr geworden. „Das ist jetzt eine sehr ernsthafte Liebesbeziehung“, sagt die Sängerin, „man kann sich ungeschminkt zeigen und muss keine Angst davor haben, dass der andere sofort wieder abhaut.“

Dieses liebevolle Vertrauen ist in jedem Takt, in jedem Atemzug auf „Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist“ zu hören, dem zweiten gemeinsamen Album von Tabatabai und ihrem kongenialen Musikpartner David Klein. Kam „Eine Frau“ mit großem Orchester und zahlreichen Gastsolisten noch wie ein Blockbuster in Technicolor daher, mutet Tabatabaisaktuelle Veröffentlichung wie ein intimes Schwarz-Weiß-Portrait von Henri Cartier-Bresson an. Noch vielschichtiger und mutiger als beim Erstling ist die von Klein vorgenommene Stückauswahl, die diesmal einen Bogen von den 30er Jahren und Kurt Weill über Tabatabais englische Rock-Hymnen aus den 90ern bis hin zum französischen Chanson und einem persischen Folk-Song schlägt. Die Lieder erstrahlen nun in einem radikal anderen Licht: Klein und sein mit Olaf Polziehn (Piano), Ingmar Heller (Bass), Peter Gall (Drums) und Matthieu Michel (Trompete) hervorragend besetztes Quintett evozieren in den feingliedrigen Arrangements die Erinnerung an die goldene Zeit des legendären „Blue Note“-Labels und an Künstler wie Miles Davis, John Coltrane, Horace Silver oder Lee Morgan.

Das ist die perfekte Grundlage für Jasmin Tabatabais höchst differenzierte Vortragskunst, mit der sie jede auch noch so versteckte Bedeutungsnuance den Texten entlockt und wachküsst. „Ich bin jedes Mal geradezu fassungslos, wie natürlich sie an einen Song herangeht und ihm einen eigenen Stempel aufdrückt“, zeigt sich Klein beeindruckt, der unter anderem schon mit Hannelore Elsner, Xavier Naidoo, Joy Denalane oder Herbert Grönemeyer zusammenarbeitete.

Die Stücke auf „Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist“ legen von dieser lyrischen Instinktsicherheit ein beredtes Zeugnis ab. Sei es die zarte Zerbrechlichkeit, mit der Tabatabai den auf einem Text von Ulrich Plenzdorf basierenden, von Peter Gotthardt komponiertenPuhdys-Klassiker „Wenn ein Mensch lebt“aus dem DDR-Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“ interpretiert, sei es in der müden, seelenwehen Laszivität, mit der sie Kurt Tucholskys „Anna Luise“ aus der „Gripsholm“-Verfilmung wiederbegegnet (im Rahmen der Dreharbeiten lernten sich Tabatabai und Klein 1999 kennen). Geradezu Rap-Qualitäten zeigt die Sängerin in der atemlos-atemberaubenden Choro-Version von Reinhard Meys 1988 entstandenem Familiensong „Aller guten Dinge sind drei“. „Dieses Lied ist so unglaublich wahr“, lacht Tabatabai, selbst dreifache Mutter, „sogar meine eigenen Kinder sagen: Hä, woher kennt der uns?“

Die Aktualität, die das Album trotz seiner musikalischen Zeitlosigkeit birgt, manifestiert sich deutlich an mehreren Stellen. Zuallererst natürlich im Titelstück. „Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist“ stammt von Georg Kreisler, den Klein gut kannte. „Wahnsinnig zeitgemäß“ findet Tabatabai die für Kreislers Verhältnisse ungemein stille Abrechnung mit der Spaßgesellschaft. „In einer Gegenwart, in der sich alles zu radikalisieren scheint und in der sich jeder sofort reflexhaft gegenseitig beschimpft, würde ein bisschen mehr Zurückhaltung, ein bisschen mehr Schweigen gut tun“, glaubt die Sängerin.

Und auch „Youkali“, Kurt Weills 1934 im französischen Exil verfasstes Stück über ein utopisches Land, in dem sich jeder geachtet, geliebt und frei fühlen darf, bekommt angesichts der Flüchtlingsströme auf dem europäischen Kontinent eine aktuelle Dimension. „Ich kann es nachvollziehen, dass man in ein anderes Land geht, weil man Freiheit und Menschenrechte möchte“, erklärt die in Teheran geborene Deutsch-Iranerin Tabatabai, die 1979 mit ihrer Familie aus dem Iran auswanderte, „genau das haben damals meine Eltern getan, damit ihre Kinder in Freiheit aufwachsen können. Alles das, was ich heute bin – Sängerin, Schauspielerin – wäre für mich nicht möglich gewesen, wenn wir im Iran geblieben wären.“

Es ist ein Segen. Vor allem für den Jazz. „Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist“ – Jasmin Tabatabai und David Klein finden berührende Antworten auf diese Frage.

“”Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist?” Mit dem Titelsong des zweiten gemeinsamen Albums fällt der Einstand bereits mehr als vielversprechend aus. Sängerin, Saxofon, Piano (Olaf Polziehn), Bass (Ingmar Heller) und Schlagzeug (Peter Gall) verleihen dem Klassiker von Georg Kreisler einen neuen, ebenso eingängigen wie spannungsvollen Neuanstrich. Geht ins Ohr, geht unter die Haut, keine Frage. Die Qualität des David Klein Quartetts ist hinlänglich bekannt, und auch Jasmin Tabatabai spielt ja auf der Jazzbühne spätestens seit dem Gewinn des Branchenpreises Echo Jazz 2012 keine Nebenrolle mehr. Dennoch oder gerade deswegen ist das, was geboten wird, mehr als nur Können, von dem ja sprichwörtlich die Kunst kommt. Dass die musikalische Präsenz der Einzelnen nahezu perfekt aufeinander abgestimmt ist, setzt mehr voraus als bloße Professionalität. Richtig guter Jazz, das ist Herz und Seele – und davon bringen vor allem Tabatabai und Klein eine ganze Menge mit.
Dass Jasmin Tabatabais Bühnen-und Schauspieltalent mit den berühmten kleinen Gesten, mit dem mal lasziven, mal provokanten Augenaufschlag, mit der ebenso unaufdringlichen wie unvermeidlichen Kraft dem musikalischen Programm noch ein weiteres gewisses Etwas hinzufügt, macht das Konzert auch zum Augenschmaus – doch glücklicherweise nie zur “One-Woman-Show”. Das verhindert schon die Virtuosität, mit der vor allem David Klein dem Sax und Olaf Polziehn dem Flügel Töne entlocken. Wiederholte Solopassagen wurden denn auch zu Recht begeistert mit gebührendem Applaus bedacht. Ein eindeutiges Fazit steht am Ende des Konzerts, das nach dem Mini-Gipfel am Samstag das Jazzfestival in Freiburg richtig zum Laufen gebracht hat: Der Einstand war vom Feinsten. Das Diktum vom “handverlesenen Jazz” sei an dieser Stelle guten Gewissens geäußert. Gratulation an Jasmin Tabatabai und das David Klein Quartett, Glückwunsch aber auch an die Veranstalter des Festivals, denen man nach dem mehr als gelungenen Auftakt zurufen möchte: Weiter so!”
– BADISCHE ZEITUNG

“Wie die Dietrich. Entscheidend ist, dass sie an eine lange verlorene, auch von den diversen Diseusen der Kleinkunstbühnen nicht ersetzte Tradition anknüpft: an den Jazz-gestützten, deutschen Chanson einer Marlene Dietrich oder Hildegard Knef. Auch die waren im eigentlichen Sinne keine Sängerinnen, vielmehr überzeugende Gesangsdarstellerinnen, Diven, die Liedtexte kraft ihrer ganzen Persönlichkeit ins Ziel brachten. Das macht nun auch Tabatabai, und sie macht das so gut wie sehr lange keine mehr.”
– SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

“Wenn Tabatabai singt,gleitet sie wonnig zurück in die Goldenen Zwanziger. Ihre Interpretationen kritteln nicht, sondern sind kokett und mondän wie ein Revuefilm.”
–  LAUT.DE

„Zu Jasmin Tabatabais Liedern und ihrer mal ganz klaren, mal rauchigen Stimme legt das David Klein-Quartett einen wunderbaren Klangteppich, der immer wieder aufgebrochen wird durch meisterhafte und leidenschaftlich vorgetragene Soli.“
– 
HERSFELDER ZEITUNG

“Die glasklare Stimme Jasmin Tabatabais entführt uns in die vergangenen Zeiten der verrauchten Jazzclubs Nordamerikas oder in die Blütezeit der französischen Chansons und fügt, je nachdem, ein wenig vom Feuer des argentinischen Tangos oder eine gehörige Portion Melancholie hinzu.”
–  AVIVA-BERLIN.DE

Links:
Jasmin Tabatabai – Offizielle Webseite
Jasmin Tabatabai – Facebook

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