Hannelore Elsner & David Klein Quartett

“Groß geworden bei Pflegeeltern und im Waisenhaus fehlt ihr der sichere Boden zum Erwachsenwerden. Wir sehen diese Marilyn ungeschminkt, die glänzenden zuckerwattigen Haare unterm Kopftuch versteckt, bei einer Beerdigung ihrer Schauspiellehrerin Constanze Collier.
An diesem 28. April 1955 ist Marilyn, das ewige Kind, 29 Jahre alt. Ihr Freund und Begleiter, der Bestseller-Autor Truman Capote, beschreibt sie an dem gemeinsamen Nachmittag zwischen Friedhof, Kneipe und Hafen als Ausbund der Sinnlichkeit und Resignation. Er malt die stimmungsschwankende Schauspielerin in sanften Farben und scharfen Konturen.  Sein Text „Ein bildhübsches Kind“ wird auf der schummrig rot und blau ausgeleuchteten Potsdamer Bühne von Schauspielerin Hannelore Elsner gelesen, ja fast gesungen. Die dunkelhaarige schlanke Noch-Immer-Schönheit gibt der einstigen blonden Schönheit die Stimme. Warm, ohne Überschwang, ohne große Geste.
Die 76-jährige deutsche Charakterdarstellerin lässt das Bild der so jung verstorbenen Sexikone aus Amerika auferstehen, zeigt mit Herz und leisem Witz die Suchende und Gefallene, die Bewunderte und Ausgestoßene. Die jazzige, fein nuancierte, virtuose Musik des David Klein Quartetts schafft dafür den lauschig-intimen Raum, zaubert ein entspanntes Ambiente, in dem sich Zartes erheben und auch Zotiges entfalten kann. Denn ja, diese Marilyn ist kein Schöngeist mit gewählten Worten. Sie liebt das Direkte, das aus dem Bauch Kommende – ohne gesellschaftlichen Filter. Hannelore Elsner gehen auch die teils vulgären Beschreibungen problemlos über die Lippen. Und der Zuschauer atmet umso tiefer durch. Er wird hineingenommen in eine Welt der Eitelkeit und Konkurrenz, der Hollywood-Hyänen, die sich gegenseitig belauern und klatschsüchtig übereinander herfallen.
Marilyn knabbert unentwegt an ihrem Daumennagel, während sie über Greta Garbo oder Audrey Hepburn plaudert, sich über niederträchtige Kolleginnen ereifert und darüber, dass sie nie die Rollen kriegt, die sie möchte. Und plötzlich geht sie zur Toilette – kommt nicht wieder. Capote kennt das, fragt sich: Wirft sie wieder Pillen ein? Er folgt ihr, in Sorge um die labile Freundin. Und klopft an die Klotür. In diesem Moment wird das feingestrickte Jazzgewand des Abends zerschnitten: die Töne kratzen, werden schrill, Hannelore Elsner haucht die Capote-Worte als Chansonette in den Raum. Das berührt, gibt dem Abend seinen Höhepunkt. Marilyn Monroe stirbt sieben Jahre später, mit 36 Jahren, aus ungeklärter Ursache. Der Abend im Nikolaisaal endet mit Marilyn Monroe am Hafen im Licht der Dämmerung.”
– POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN

 

Hannelore Elsner:

«Eine Stimme wie eine Umarmung». Dieser Satz der deutschen Lyrikerin Hilde Domin könnte Hannelore Elsner auf den Leib geschrieben worden sein. Bei ihren Lesungen vertraut sie sich dem Text bedingungslos an, liest mit beherzter Anteilnahme und überlässt den Ausdruck allein ihrer vollen warmen Stimme. Sie verzichtet völlig auf äußerliche Gestik, nur ihre Hände betonten gelegentlich ganz leicht und flüchtig eine Sequenz des Textes. Truman Capotes Texte sind eine Herzensangelegenheit für Hannelore Elsner.

Es gibt aktuell nicht viele deutsche Schauspielerinnen mit unangefochtenem Starstatus: Hannelore Elsner, Preisträgerin des «Deutschen Filmpreises», der «Goldenen Kamera», des «Adolf-Grimme Preises» und des «Bayerischen Fernsehpreises», ist eine von ihnen.

In Kombination mit dem tiefgründigen und launischen Monroe-Portrait des Bestsellerautors Truman Capote und der atmosphärischen Musik des Schweizers David Klein entsteht ein Bühnenereignis der Extraklasse.

Truman Capote:

Kaum ein anderer war näher dran an den Stars und Ikonen seiner Zeit als Truman Capote. Sie hofierten ihn, vertrauten ihm und ließen ihn hinter die Fassade blicken. Dank seinem untrüglichen Gespür für seine Gesprächspartner und ihre Geschichten, gelang es Capote immer wieder, ihre verborgenen Seiten zu enthüllen. Mit den Anhimmelungshymnen und Schleimschmeicheleien, die man heute oft lesen muss, haben diese brillianten literarischen Miniaturen jedoch nichts gemein. Capote setzt seinen Protagonisten Denkmäler, große und kleine, flüchtige und wuchtige. Er strei-chelt sie mit seinen Fragen, tröstet sie mit seiner Neugier, macht sie glücklich mit seiner Geduld. Seine verfilmten Bücher «Frühstück bei Tiffany» und «Kaltblütig» (In Cold Blood) wurden Welterfolge.

Das Programm:

Lesung der Kurzgeschichte «Ein bildhübsches Kind», in der Truman Capote einen Nachmittag beschreibt, den er mit Marilyn Monroe erlebt hat. Hier führen zwei kapriziöse Ikonen einen extravaganten Dialog. Neben dem schrulligen Zyniker und empathischen Misanthropen Truman Capote begegnen wir einer sensiblen, intelligenten und selbstkritischen Marilyn Monroe, die uns jene authentische Menschlichkeit vermittelt, die hinter der Fassade des Filmvamps fast völlig verschwand.

Die Musik:

Begleitet wird Hannelore Elsner mit Live-Musik vom Quartett des renommierten Schweizer Musikers und Komponisten David Klein, dessen preisgekrönte Jazz-Hommage «My Marilyn» die musikalische Grundlage der Lesung liefert.

Für Till Brönner ist Kleins’ CD «My Marilyn» ein «Meisterwerk an Respekt, Tiefgang und Hochwertigkeit», die FAZ spricht von «epischen Neudeutungen, ganz eigenen Jazzverwandlungen, behutsam verführerischer Kammermusik» oder gar einer «musikalischen Ewigkeitsapotheose», für die BRIGITTE sind es «hinreißend jazzige Liebeserklärungen».

«My Marilyn» war monatelang in den Jazz-Charts vertreten und avancierte zur weltweit best verkauften CD eines Schweizer Jazz-Interpreten. Die von Klein sorgfältig ausgewählten und neu arrangierten Songs wie «Diamonds Are A Girls’ Best Friends» oder «My Heart Belongs To Daddy» aus Monroes Filmen – von denen die meisten seit ihrem vorzeitigen Tod erstmals wieder aufgenommen wurden – sind für alle Bewunderer des unvergessenen Weltstars und Fans von entspanntem Jazz ein sinnlicher Genuss.

“Je länger man Truman Capote liest, umso mehr ist man davon überzeugt, dass er der größte, glühendste, bedingungsloseste Menschenfreund der amerikanischen Literatur des vergangenen Jahrhunderts war. Mit einem Herz, groß genug für Filmstars und Starfotografen, Putzfrauen und Psychopathen.”
– 
 FAZ

“Eine literarische Klatschbombe, ein journalistischer Molotow-Cocktail.”
– SPIEGEL

“Das ist beste Unterhaltung für Intelligenz und Gefühl.”
– 
SWR

back