Eva Kruse “On the Mo”

”Häufig scheint es beschwerlich, Jazz mit klassischer Kunstmusik zu vereinen. Es gibt Hindernisse wie radikal verschiedenes Timing und geteiltes Verhältnis zu den Begriffen Komposition und Improvisation. Aber eine Lösung hierfür ist eigentlich nie weiter entfernt als bei einem einzelnen Musiker. Für die Komponistin und Kontrabassistin Eva Kruse fliessen die verschiedenen Traditionen wie selbstverständlich zusammen – und mehr als das: Auf ihrer zweiten CD unter eigenem Namen tangiert sie ausserdem Pop, Rock und Volksweisen. Mit ihrem Quintett vermag sie u.a. wahrhaftig Groove und den Einfluss J.S. Bach´s auszubalancieren!”
– Johannes Cornell, DAGENS NYHETER (SE)

Aus dem Wasser auf das Moped und die Fahrt geht los. So könnte eine Kurzbeschreibung der jüngsten Geschichte der Bassistin Eva Kruse und ihrer Musik lauten. Nach ihrem Debut-Album “In Water” meldet sie sich nun mit ihrem neuen Werk “On the Mo” zurück. Mit “Mo” ist eben dieses für die schwedischen autofreien Schären-Inseln so charakteristische Lasten-Moped gemeint, mit dem Eva Kruse ihren Kontrabass zum Fähr-Anleger fährt, um von dort aus dann die Reise zu ihren Konzerten in aller Welt anzutreten.

Vorwärts-kommen, auf musikalische Entdeckungsreise gehen, einen verlässlichen Motor bei sich haben: “On the Mo – On the Go” war das selbst auferlegte Motto unter dem Eva Kruse die Musik für ihr neues Album komponierte. Als freundliche Einleitung führt die Improvisation des Pianisten Christian Jormin zum Titelstück des Albums “On the Mo” hin. Dieses fängt den Hörer in Windeseile ein, um ihn mit einem prägnanten Thema und bouncenden Grooves mit auf die hügelige Berg-und Talfahrt auf dem “Mo” zu nehmen. Gefolgt vom ebenfalls vorwärtstreibenden “Follow the Bass” mündet der musikalische Fluss danach in eine Art Ruhe-Quelle in Form des Stücks “Out of the deep”, das in den ersten Takten an das C-Dur Präludium von J.S.Bach erinnern mag. Wunderschöne Melodien, gespielt von der Oboistin Tjadina Wake-Walker sowie dem Alt- und Sopran- Saxofonisten Uwe Steinmetz, die von Eva Kruse ś melodischem Basspiel sowie einem mitreissenden Saxofonsolo abgelöst werden.

Organisch und überraschend folgt dann das Lied “In Motion”, das Eva Kruse selber als ihr Lieblingsstück des Albums bezeichnet, da es so viele verschiedene Ebenen in sich birgt und doch am Ende ganz klar und ohrwurmartig aufhört. Mit Vorliebe mischt Eva Kruse in ihren Kompositionen Elemente aus Jazz, Klassik und Pop wie selbstverständlich, was es nahezu unmöglich macht, ihre Musik in eine bestimmte Schublade zu zwängen. Sie lässt die Musik sich innerhalb klar abgesteckter Grenzen frei und eigen entfalten.

Bei “What do you say when the sky is grey” geht die groovige Reise wieder in voller Fahrt weiter. In dem vielfach ausgezeichneten Eric Schaefer am Schlagzeug, ihrem langen musikalischen Wegbegleiter mit dem sie viele Jahre im Trio [em] mit Michael Wollny spielte, hat Eva Kruse ein perfektes Pendant gefunden um die neuen Stücke in ihrer Ganzheit ausloten zu können. Energiegeladene Grooves und gleichzeitig sensible Interaktion zeichnet das Zusammenspiel dieser Rhythmusgruppe aus.

Seit Eva Kruse ihren Lebensmittelpunkt nach Schweden verlegt hat, nähert sie sich natürlicherweise auch der schwedischen Musikkultur an. So hat es ihr besonders eine Melodie aus der Lucia-Tradition angetan, die sie auf “On the Mo” mit Christian Jormin im Duo umsetzt. Vor allem sein tiefgründiges und authentisches Pianospiel in Ergänzung zu Eva Kruse ś warmem Basston bietet auf diese Weise einen wunderbaren Ruhepunkt: “Staffan var en stalledräng”.

Lyrisch und zunächst etwas nachdenklich schleicht sich die Ballade “Winterland” ein, um dann mit dem kontrapunktisch spannenden “Stop and Go” die letzte Etappe auf “On the Mo” einzuleiten. Eine freie Improvisation “Freetown”, bei der jeder der fünf fantastischen Musiker einige persönliche Farbtupfer setzt, und die sich doch ungemein stimmig zu einem ganzen Bild zusammenfügt wird abschliessend gefolgt von einer Art Jazz-Rock-Hymne, dem Stück “Küchen-Rock”. Dieses erinnert an die explosive Kreativität und sprühende Energie von Bands wie The Police oder Queen. Da kommt Hörfreude auf!

Für ihr voriges Album “In Water” erhielt Eva Kruse den Echo Jazz als Bassistin des Jahres 2015.

Jazz-Album der Woche auf NDR
”Die Oboe im Jazz ist selten: Ein reiner Klang, der die Ohren öffnet und zweistimmig mit Saxofon in ganz neue Räume führt. Diese Aufbruchstimmung prägt das ganze Album “On the Mo” der Bassistin Eva Kruse […] Wirkte die erste CD (”In Water”) noch wunderschön verträumt, ist die Band mit dem zweiten Album aufgetaucht, auf die Erde und an die sehr frische Luft gekommen: Eva Kruse spielt ihre Stärken – die Poesie, den Groove und die Freiheit – gemeinsam mit ihren Bandmitgliedern in alle Richtungen noch weiter aus.” 
– Mauretta Heinzelmann, NDR

”Kammerjazz mit Profil und Energie!” – Norbert Krampff, FRANKFURT JOURNAL

”Eine stimmungsvolle und eigensinnig pointierte Komposition!” – Ralf Dombrowski, BR “All that Jazz”

Link:
Eva Kruse “On the Mo” – Offizielle Website

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